Brunnenbau

2010 habe ich in unserem Garten einen Brunnen gebohrt – ausschließlich zur Gartenbewässerung. Bei uns steht das Grundwasser schon ab ca. 1,5 m an, weshalb der Brunnen nur 4,6 m tief ist. Der Boden besteht aus grobkörnigem Kies, was das Bohren erleichtert, aber gleichzeitig besondere Sorgfalt beim Einbau des Filterrohrs erfordert. Der Brunnen läuft auch 2026 noch einwandfrei.

Hauswasserbrunnen selbst bohren

Das Projekt hat mich in meiner Freizeit rund 6 Monate beschäftigt – ich habe mir dabei bewusst Zeit gelassen. Die Gesamtkosten lagen bei ca. 1.000–1.500 EUR. Bei bestimmten Arbeitsschritten war die Hilfe von ein bis zwei Personen unbedingt erforderlich.

Benötigtes Material

  • Handbohrer / Brunnenbohrer, ⌀ 20 cm
  • DN150 Brunnenrohr (1m Filterrohr mit Schlitzung)
  • KG-Rohr DN200 oder DN250 als Hilfsverrohrung (Bohrhilfe)
  • Gewichte um das Hilfsrohr beim Drehen in den Kiesboden zu drücken
  • Seil und Umlenkrolle / Flaschenzug zum Ziehen des KG-Rohrs
  • Filterkies (gewaschen, ohne Sand- und Staubanteile)
  • Winkelschleifer zum Einkerben der Rohrspitze
  • Bohrmaschine für Grifflöcher am oberen Rohrende
  • Pumpe, 1″-Schlauch, Stahlseil, Steuereinheit (Strömungsschalter)
  • Helfer für das Ziehen des KG-Rohrs und den Filterkies-Einbau

Vorbereitung

  1. Erde bis zum Kiesbereich abtragen und einen begehbaren Arbeitsschacht herstellen.
  2. Mit dem Handbohrer bis zum ersten Grundwasserkontakt bohren.
  3. Ab Grundwasser fällt der Kies nach – ab jetzt wird innerhalb des KG-Rohrs weitergebohrt.
  4. Mit dem Winkelschleifer Zähne in das untere Ende des KG-Rohrs schneiden, damit es sich in den Kies bohren lässt.
  5. In das obere Ende des KG-Rohrs zwei gegenüberliegende Löcher bohren – damit kann das Rohr im Bohrloch mit einem Stab gedreht werden.
Vorbereitung Brunnenbau - Arbeitsschacht und KG-Rohr

Bohren

Das Bohren selbst ist ein sich wiederholender Ablauf, der sich Meter für Meter in die Tiefe vorarbeitet:

  1. Das KG-Rohr mit Gewicht und Drehbewegung ein Stück in den Kies eindrücken.
  2. Im KG-Rohr mit dem Brunnenbohrer Material lösen und herausholen.
  3. Den Brunnenbohrer durch Gegenstemmen am KG-Rohr herausziehen – nie am Rohr selbst hochziehen.
  4. Sobald ein Rohrstück voll gebohrt ist, das nächste KG-Rohr-Segment aufschrauben oder vernieten und weitermachen.
Brunnenbohrer im Einsatz

Geduld ist der wichtigste Faktor. Wer versucht, zu schnell voranzukommen, riskiert, dass das Bohrloch zusammenbricht oder das KG-Rohr klemmt. Ich habe mir über 6 Monate Zeit gelassen – immer dann gearbeitet, wenn die Bedingungen und die Zeit es zuließen.

Handbohrer Brunnenbohrer Detail

Das kritische Manöver: Filterkies einbringen und KG-Rohr ziehen

Das ist der anspruchsvollste Teil des gesamten Projekts und erfordert gute Vorbereitung, einen durchdachten Arbeitsablauf – und unbedingt Helfer.

Sobald die Zieltiefe erreicht ist, wird das Brunnenfilterrohr (DN150) in das KG-Rohr eingebracht. Dann beginnt der eigentliche Balanceakt:

  1. Filterkies (gewaschener Kies ohne Sand- und Staubanteile) wird Schritt für Schritt in den Ringspalt zwischen KG-Rohr und Brunnenrohr eingefüllt.
  2. Gleichzeitig wird das KG-Rohr mit Flaschenzug und Seil langsam nach oben gezogen – Abschnitt für Abschnitt, synchron mit dem Filterkies-Einbau.
  3. Das Brunnenrohr darf dabei keinesfalls mitgezogen werden – es muss durch sein Eigengewicht und ggf. eine leichte Sicherung in Position bleiben.

Der Filterkies verhindert, dass der Brunnen versandet und sorgt dafür, dass nur sauberes Wasser ins Filterrohr eindringt. Wer diesen Schritt überspringt oder nachlässig ausführt, hat langfristig Probleme mit Sandablagerungen in der Pumpe.

Filterkies einbringen und KG-Rohr ziehen

Aufbau und Technik

Damit die Pumpe möglichst lange hält und der Brunnen optimal arbeitet, sind zwei Punkte beim Einbau der Pumpe entscheidend:

  • Die Pumpe hängt ca. 1 m über der Brunnensohle – so liegt sie nicht im eventuell versandenden Bereich.
  • Bei Niedrigwasserstand muss die Pumpe noch mindestens 2 m unter der Wasseroberfläche sein, damit sie nicht trocken läuft.

Wir nutzen seit dem Einbau folgenden Aufbau:

  • Tiefbrunnenpumpe (Modell wird nachgetragen) – Anschaffungskosten 2010 ca. 450 EUR
  • 1″-Schlauch von Pumpe bis Steuereinheit
  • Strömungsschalter / Pumpensteuerung (2010 ca. 50 EUR) – siehe auch unseren Reparaturbericht zur HL DSK8 Pumpensteuerung
  • Stahlseil zur Aufhängung der Pumpe
  • 1″ sowie 1/2″ Anschlüsse

Hinweis: Das Brunnenwasser wird bei uns ausschließlich zur Gartenbewässerung genutzt, nicht als Trinkwasser. Wer Brunnenwasser als Trinkwasser nutzen möchte, muss eine Wasserqualitätsanalyse beim zuständigen Gesundheitsamt oder einem akkreditierten Labor durchführen lassen.

Updates

2021: Ich habe einen professionellen Brunnenkopf aus Edelstahl gefertigt und eingebaut. Die Anleitung dazu findet ihr hier: DN 150 Brunnenkopf aus Edelstahl.

2026: Der Brunnen läuft noch immer einwandfrei. Der Beton des Schachts hat sehr gut gehalten. Keine Versandungsprobleme – der Filterkies hat seine Arbeit getan.

Fazit

Ein Hauswasserbrunnen in Eigenleistung zu bohren ist aufwändig, aber machbar – wenn man sich Zeit lässt, sorgfältig arbeitet und beim kritischen Schritt des KG-Rohr-Ziehens Helfer dabeihat. Die Investition von rund 1.000–1.500 EUR hat sich durch die jahrelange Kostenersparnis beim Gartenwasser längst amortisiert.

Habt ihr Fragen zum Bau oder eigene Erfahrungen? Schreibt sie gerne in die Kommentare!

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